Projekt Sečovce / Habeš in der Slowakischen Republik von 2010 bis 2015

Bis zum Zerfall der sozialistischen Tschechoslowakei waren ca. 80 Prozent der in Sečovce lebenden Roma in Arbeit, seitdem gibt es eine Arbeitslosigkeit von annähernd 100 Prozent. Arbeitsmöglichkeiten sind fast ausschließlich über öffentliche Arbeitsprogramme gegeben, zum Beispiel in der Straßenreinigung für 3 bis 6 Monate. Ein größerer Teil der Roma arbeitete zuvor in der Landwirtschaft, diese Arbeitsplätze sind seit der Re-Privatisierung entfallen.

Die Roma-Gemeinschaft lebt in Habeš, einer von der Stadt isolierten Siedlung. Das Allgemeinbild der Siedlung ist desolat, die Gemeinschaft verfügt über keine Infrastruktur und lebt in menschenunwürdigen Wohnbedingungen ohne Wasserversorgung. Die einzige Wasserquelle versorgt die ganze Gemeinschaft von ca. 1.200 Menschen mit kaltem Wasser. Die desolaten Wohnbedingungen haben dazu geführt, dass der Gesundheitszustand der Bewohner sehr schlecht ist (sehr wenig Roma erreichen das 70. Lebensjahr). Es gibt keine Kanalisation, keine Straßenbefestigungen und keine Stromversorgung.  Die Verbesserung der Wohnsituation ist Voraussetzung für eine langfristige und nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation der Menschen im Habeš.

Die Arbeitslosigkeit und der Mangel an Ausbildung eröffnen keine konkrete Perspektive für die Einbeziehung und für die gesellschaftliche Teilhabe der Roma-Gemeinschaft.  Das Projekt zielt daher auf einen gartenbaulichen und landwirtschaftlichen Schwerpunkt, um Einkommensmöglichkeiten für die Bewohner des Habeš und der Stadt Sečovce  zu schaffen.

Maßnahmen

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma führte mehrere Gespräche mit Vertretern der slowakischen Regierung und der lokalen Verwaltung, um langfristige Verbesserungen vor Ort zu erreichen.  Inzwischen gibt es ein neues Kommunikationszentrum für Roma in Sečovce, in dem mehrere Sozialarbeiter angestellt wurden. Dieses Zentrum wurde unter anderem mit Mitteln der Manfred-Lautenschläger-Stiftung erworben. 2014 hat die Gemeinde Sečovce die Straßen im Habeš befestigt und über ein erstes nationales Programm damit begonnen, neue Wohnungen zu bauen.  Das Projekt wird jetzt von weiteren Organisationen aus Deutschland unterstützt, insbesondere auch dem Kloster Maria Laach, durch die inzwischen eine Schreinerwerkstatt und ein Lehrgarten eingerichtet wurden.

 

 

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