Filmtipp ARTE: Ein Dirigent und sein Traum

Datum
24.03.2018
05:20 Uhr


Die Roma und Sinti Philharmoniker. Das Konzert beim Beethovenfest Bonn 2011 © Björn Hadem

Aus der Programmankündigung von ARTE:

Es gibt viele Symphonieorchester, aber weltweit kein einziges wie dieses: Alle Mitglieder sind Sinti oder Roma, und alle sind Profis – klassisch ausgebildete Musiker, die in Berufsorchestern in Deutschland, Polen, Frankreich, Russland, Ungarn, Tschechien und Rumänien spielen. So oft wie möglich finden sie sich zu gemeinsamen Konzerten zusammen, um als Botschafter ihres Volkes gegen Vorurteile und Klischees, gegen Vertreibung und gegen das Vergessen anzuspielen.

Die Dokumentation begleitet das Orchester während der Vorbereitungen zu einem Konzert und verlässt mit einzelnen Musikern immer wieder den musikalischen Kosmos, um einen Einblick ihr privates Leben zu gewinnen. Im Mittelpunkt des Films steht der Dirigent Riccardo Sahiti, Gründer des Orchesters und sein leidenschaftlicher Spiritus Rector. Sein Traum: Er möchte die Roma und Sinti Philharmoniker zu einer festen Institution machen, um nicht länger um ihre Existenz bangen zu müssen.

Ob Auswärtiges Amt, Zentralrat Deutscher Sinti und Roma oder Europäisches Parlament – Riccardo Sahiti, unfreiwillig auch Manager des Orchesters, spricht überall vor. ARTE begleitet ihn aber auch auf einer sehr emotionalen Reise in seine Heimat, den Kosovo, wo er Krieg und Vertreibung erlebt hat; bei den Überresten seines Geburtshauses und am Grab seiner Mutter erzählt Sahiti die Geschichte seiner Familie, die für viele Kosovo-Roma steht. So entsteht das Porträt eines ungewöhnlichen Orchesters, das sich zugleich aus ungewöhnlicher Perspektive einem ernsten Thema nähert. Dank der sympathischen und leidenschaftlichen Protagonisten gelingt dies mit überraschender Leichtigkeit.

Dokumentation D 2014, 52′