Zentralrat Deutscher Sinti und Roma begrüßt historische Entscheidung von Bund und Ländern zum Erhalt der Gräber von NS-verfolgten Sinti und Roma

Am 9. Dezember 2016 haben Bund und Länder im Rahmen der Konferenz der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder in Berlin einen Beschluss zum Ruherecht für Grabstätten der unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgten Sinti und Roma gefasst. Mit dieser Entscheidung wird dem langjährigen Anliegen des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma entsprochen, der sich seit 2004 bei Bund, Ländern und Kommunen dafür einsetzt, dass diese Gräber dauerhaft als Familiengedächtnisstätten und öffentliche Lernorte in staatliche Obhut genommen werden.

„Mit dem am vergangenen Freitag in Berlin gefassten Beschluss haben die Bundesregierung und die Länder ein historisches Zeichen gesetzt. Die Entscheidung zum Erhalt unserer Grabstellen ist ein wichtiges politisches Signal und zugleich Ausdruck einer gemeinsamen Verantwortung vor der Geschichte, zumal die Grabstätten der jüdischen Opfer schon vor Jahrzehnten in staatliche Obhut genommen wurden“, so der Vorsitzende des Zentralrats, Romani Rose. „Unsere Gräber sind die letzten Spuren deren, die die Schrecken des Holocaust überlebt haben. Sie sind die Zeugnisse des Völkermords an den Sinti und Roma und als solche ein Vermächtnis für unsere Demokratie und unseren Rechtstaat“.

„Es wäre“, so Rose weiter, „zu wünschen, dass auch andere Staaten vor allem in Ost- und Südosteuropa ihre besondere historische Verantwortung gegenüber den dort seit Jahrhunderten beheimateten Roma-Minderheiten wahrnehmen. Dies wäre ein wichtiger Beitrag zur Überwindung der Ausgrenzung unserer Minderheit in der Gegenwart.“

Zur Pressemitteilung des Bundesfamilienministeriums

Zur Pressemitteilung des Zentralrats

Verwandte Themen und Beiträge:

Erinnerungsarbeit

Der Holocaust an den Sinti und Roma wurde nach der Befreiung vom Nationalsozialismus jahrzehntelang aus dem historischen Gedächtnis und der öffentlichen Erinnerung verdrängt. Dies änderte sich vor allem durch die Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma und die Arbeit des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, der 1982 die offizielle Anerkennung der Völkermordverbrechen durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt erwirkte. ... mehr

Minderheitenrechte

Der Zentralrat setzt sich ein für die Förderung und den Schutz der deutschen Sinti und Roma als anerkannte nationale Minderheit. Die deutschen Sinti und Roma gehören neben der dänischen Minderheit, den Friesen und den Sorben zu den vier alteingesessenen Minderheiten in Deutschland. ... mehr