Die neue Gedenkstätte für die ermordeten Sinti und Roma im ehemaligen Konzentrationslager in Lety u Písku, Tschechische Republik

Das neue Design für die Gedenkstätte in Lety u Písku, Juni 2020. (PHOTO: Museum of Romani Culture)

Das Museum für Roma-Kultur in der Tschechischen Republik hat den Gewinner des landschaftsarchitektonischen Wettbewerbs für den Entwurf der künftigen Gedenkstätte für die ermordeten Sinti und Roma im ehemaligen Konzentrationslager in Lety u Písku, Tschechische Republik, bekannt gegeben. In den 1970er Jahren wurde eine große Schweinefarm-Fabrik auf dem Gelände der Lager Lety u Písku gebaut, es gab keinen würdigen Ort der Erinnerung an das Konzentrationslager. Nach zwei Jahrzehnten des Kampfes der tschechischen und europäischen Zivilgesellschaft unterzeichnete die tschechische Regierung schließlich 2017 einen Vertrag mit dem Unternehmen, um die Schweinefarm aufzukaufen. Die Schweinefarm wurde 2018 geschlossen und auf dem Gelände wird bis 2023 ein Denkmal und ein Museum errichtet. 

Das Konzentrationslger in Lety u Písku (Tschechische Republik) war 1940 als Gefängnis und Arbeitslager errichtet worden. Es war für die Aufnahme von 600 Gefangenen konzipiert, aber nachdem es im August 1942 zu einem Durchgangslager für Sinti und Roma aus Böhmen umfunktioniert wurde hielten sich (schätzungsweise) 1.392 Männer, Frauen und Kinder dort auf; 326 von ihnen wurden ermordet. ZUmindest ist dies die offizielle Version der Regierung, während Überlebende von einer viel höheren Zahl von Gefangenen und Opfern berichten. Es gibt einen Mangel an fundierter historischer und archäologischer Forschung. Die meisten der Häftlinge wurden 1943 nach Auschwitz deportiert und das Lager wurde im August 1943 geschlossen. Während des Zweiten Weltkrieges wurden fast alle tschechischen Roma ermordet, nur etwa ein Zehntel überlebte.

In den 1970er Jahren wurde eine große Schweinefarm auf dem Gelände des Lagers Lety u Písku errichtet. Seit 1993 haben Roma-Aktivisten die Räumung der Schweinefarm und die Errichtung eines würdigen Denkmals zum Gedenken an die Roma Opfer während des Holocausts gefordert. Im Jahr 1995 wurde eine kleine Gedenkstätte in Form eines Dedenksteins mehrere hundert Meter östlich der Schweinefarm gebaut, dank der Initiative des tschechischen Präsidenten Václav Havel. Weitere Verhandluingen blieben erfolglos. Die EU, die Internationale Holocaust Remembrance Alliance, der Europarat und der UN-Menschenrechtsausschuss drängten die tschechischen Behörden, die Schweinefarm zu entfernen; gleichzeitig gab der EU-Agrarfonds weiterhin Subventionen zur Aufrechterhaltung der Schweinefarm. Seit 2012 führte die Roma-Basisorganisation Konexe, zu deren Gründern Čeněk Růžička gehört, Kampagnen durch, die mit dem Ziel die Schweinefarm zu entfernen.

Eine einwöchige Blockade des Haupttores der Schweinefarm im Mai 2014, internationale Gedenkfeiern mit jungen Roma-Aktivisten aus ganz Europa in Zusammenarbeit mit der Europäischen Antirassistischen Grassroots-Bewegung EGAM, offene Briefe in den Mainstream-Medien sowie Proteste gegen Hassreden und die Leugnung des Holocaust lösten eine breite Aufmerksamkeit in den Medien und in der Öffentlichkeit aus.


Weitere Informationen:

Pressemitteilung des Museums für Roma Kultur in Brno, Tschechien (en)

Artikel von Romea.cz (en) mit Bildern

 

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