Gedenken in Sachsenhausen anlässlich von Himmlers „Auschwitz-Erlass“

Anlässlich des 77. Jahrestages von Himmlers Auschwitz-Erlass vom 16. Dezember 1944 erinnert der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma gemeinsam mit der Gedenkstätte Sachsenhausen am Donnerstag, den 19. Dezember 2019 um 10.30 Uhr am zentralen Gedenkort Station Z mit einer Gedenkveranstaltung und einer Kranzniederlegung an die Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an den Sinti und Roma. Der Zentralrat nimmt mit einer Delegation von 30 Personen teil, darunter Überlebende des Holocaust und Vorstände seiner Landes- und Mitgliedsverbände.

Bei der Gedenkveranstaltung sprechen der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Dr. Axel Drecoll, der Ministerpräsident von Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke, sowie der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose.

In seiner Gedenkansprache warnt Romani Rose vor einem „zunehmend gewaltbereiten Antisemitismus und Antiziganismus, mit denen wir in Deutschland und in ganz Europa wieder konfrontiert sind.“ Dieser richte sich „vordergründig gegen Minderheiten, im Kern aber auf die Zerstörung unserer Demokratie in Deutschland und in Europa. Die Erinnerung an die Verbrechen des Holocaust alleine reicht nicht aus, wir müssen in unserer Gesellschaft Verantwortung für die Gegenwart übernehmen“, so der Zentralratsvorsitzende weiter.

Am Freitag, den 20. Dezember, nimmt der Zentralrat am jährlichen Gedenken für die Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an den Sinti und Roma im Bundesrat teil, anlässlich dessen der amtierende Bundesratspräsident, Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke, die Gedenkansprache halten wird. Im Anschluss an das Gedenken kommt der Zentralrat zum Gespräch mit den Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Länder unter Leitung des Bundesratspräsidenten zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Forderung des Zentralrats nach einer Beteiligung von Vertretern der Sinti und Roma in Rundfunkräten und Landesmedienanstalten die Aufnahme der nach dem Rahmenübereinkommen des Europarats anerkannten nationalen Minderheiten ins Grundgesetz.

Ansprache von Romani Rose in der Gedenkstätte Sachsenhausen am 19. Dezember 2019

Hintergrund:
Am 16. Dezember 1942 unterzeichnete Himmler den sogenannten „Auschwitz-Erlass“, der die Deportation von Sinti und Roma aus ganz Europa in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau anordnete – unter ihnen über 10.000 deutsche Sinti und Roma aus dem damaligen Reichsgebiet. Insgesamt wurden im besetzten Europa mehrere Hunderttausend Sinti und Roma in Konzentrationslagern oder durch Einsatzgruppen der SS ermordet. Im Konzentrationslager Sachsenhausen waren mehr als 1.000 Sinti und Roma inhaftiert, von denen die meisten dort ermordet worden sind.