Interview mit Romani Rose in der Schwäbischen Zeitung am 23. September: Aus Angst vor Ausgrenzung: Sinti und Roma flüchten sich in die Anonymität

Anlässlich des Urteils im Fackelwurf-Prozess in Ulm gab Romani Rose der Schwäbischen Zeitung ein Interview zum Prozess und Antiziganismus in den Strafverfolgungsbehörden.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, erklärt zum Urteil des Landgerichts Ulm im Verfahren wegen versuchten Mordes gegen fünf junge Männer, die im Mai 2019 in Dellmensingen (Alb-Donau-Kreis) einen Brandanschlag auf eine Roma-Familie verübt haben:

Das Gericht benennt in der Urteilsverkündung Rassismus und Antiziganismus als Tatmotiv. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht in dem Prozess ein deutliches Signal, dass der Rechtsstaat die Bedrohung des gewaltbereiten Antiziganismus ernst nimmt und jede Form von Hasskriminalität konsequent verfolgt. Die Wehrhaftigkeit des Rechtsstaats wird in diesem Gerichtsprozess deutlich.

Der Zentralrat begrüßte, dass das Gericht darüber hinaus die Tat der vollendeten Nötigung in 45 Fällen festgestellt hat. Denn alle Menschen auf dem Campingplatz sind Opfer des Anschlags geworden.

Aus dem Interview:

Bundesinnenminister Horst Seehofer lehnt bislang eine Studie zu Rassismus in der Polizei ab. Wie sehen Sie das?

Ich würde sehr befürworten, wenn die rechtsextremistischen Tendenzen in einigen Bereichen genau untersucht würden. Diese Erscheinungen darf man nicht verharmlosen, man muss sich damit auseinandersetzen. Aber auch das ist klar: Der überwiegende Teil der Polizei steht jeden Tag für die Verteidigung unseres Rechtsstaats auf den Straßen. Sie verdienen unsere Anerkennung und unseren Respekt.

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