Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und das Dokumentations- und Kulturzentrum trauern um Hermann Heilig.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma und das Dokumentations- und Kulturzentrum  trauern um Hermann Heilig, der am 14. Juni 2026 im Alter von 86 Jahren verstorben ist. „Hermann Heilig hat die Geschichte unserer Minderheit nicht nur bewahrt, sondern sie auch mit Würde und großer Menschlichkeit weitergegeben. Sein unermüdlicher Einsatz für Gerechtigkeit und Anerkennung wird uns fehlen. Mit seinem Tod verlieren der Zentralrat und der saarländische Landesverband einen wichtigen Mitstreiter und Freund“, so Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrates und des Dokumentationszentrums.

Als zweitjüngster Sohn einer schlesischen Sinti-Familie wurde Hermann Heilig am 18. Dezember 1939 geboren. Seine Eltern betrieben ein Marionettentheater. Aufgrund des nationalsozialistischen „Festsetzungserlasses“ aus dem Jahr 1939 wurde der Familie untersagt, ihren Wohnort zu verlassen. Aus Angst vor der drohenden Deportation floh seine Mutter gemeinsam mit Hermann und drei seiner Geschwister bis nach Böhmen. Dort lebten sie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs auf der Flucht und in der Illegalität. Unter ständiger Bedrohung, in Angst und menschenunwürdigen Bedingungen gelang es ihnen, der nationalsozialistischen Verfolgung zu entkommen.

Nach dem Kriegsende nahm die Familie den Betrieb des Theaters wieder auf: zunächst mit Marionetten, später als Schauspielensemble. Hermann Heilig übernahm dabei die musikalische Begleitung der Aufführungen. Als geübter Musiker spielte er zudem in verschiedenen Kapellen und lernte in diesem Zusammenhang auch seine spätere Ehefrau kennen.

In seinem Heimatbundesland Saarland engagierte sich Hermann Heilig über viele Jahrzehnte für die Rechte der Sinti und Roma sowie für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verfolgung und des Holocaust an den Sinti und Roma Europas. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Saarland und war dort viele Jahre als Vorstandsmitglied tätig. Mit großem persönlichem Einsatz setzte er sich für die Interessen der saarländischen Sinti und Roma sowie für gesellschaftliche Anerkennung, Gleichberechtigung und historische Aufklärung ein.