Antiziganismus in Europa mit Wissensvermittlung bekämpfen

Anlässlich des Welt-Roma-Tages am 8. April 2026 kritisiert der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma die mangelnden Bemühungen europäischer Staaten, einem anwachsenden Antiziganismus mit Aufklärung und Wissensvermittlung im Bildungssystem zu begegnen.

Mit 10 bis 12 Millionen Menschen sind Sinti und Roma die größte autochthone Minderheit Europas. Viele europäische Staaten haben sich durch völkerrechtliche Abkommen zu ihrem Schutz und ihrer gesellschaftlichen Gleichstellung verpflichtet. Dennoch erfahren Roma in ihren Heimatländern Antiziganismus, der sich oftmals in apartheidähnlichen Lebensumständen und Gewalt zeigt. Antiziganistische Feindbilder und Klischees sind tief in der europäischen Geschichte verwurzelt.

Demokratiefeindliche Parteien in Europa nutzen erneut die Zukunftsängste der Bevölkerung und schüren in ihren Wahlkämpfen Hass auf Sinti und Roma. Allein in Deutschland haben antiziganistische Übergriffe seit 2023 um 40 Prozent zugenommen. Bei einem Brandanschlag durch einen Rechtsextremisten wurden 2024 zwei kleine Kinder und ihre Eltern in Solingen ermordet. Auch in Südosteuropa kommt es immer wieder zu gewaltsamen Angriffen auf Romasiedlungen, fast überall in Europa gibt es antiziganistische Übergriffe.

„Dieser anwachsende, gewaltbereite Antiziganismus ist eine Gefahr für unsere Minderheit und ein Angriff auf das demokratischen Wertesystem. OSZE, Europarat und Europäische Union haben ihre Mitgliedstaaten in den letzten Jahren dazu aufgerufen, dem Antiziganismus auch durch Aufklärung und Information in den Bildungseinrichtungen entgegenzuwirken. Ein aktueller Bericht des Europarates zeigt jedoch, dass die Wissensvermittlung zur 600-jährigen Geschichte und den kulturellen Leistungen von Sinti und Roma in den Schullehrplänen vieler Mitgliedsstaaten weiterhin nicht oder nur unzureichend stattfindet“, so Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma.

„Der Kampf gegen Antiziganismus ist eine europäische Aufgabe, getragen von den demokratischen Werten und Zielsetzungen, zu denen sich alle Mitgliedstaaten des Europarates und der Europäischen Union verpflichtet haben. Ich appelliere heute an diese Staaten, den Antiziganismus genauso zu ächten wie den Antisemitismus und ihm durch Aufklärung und Wissensvermittlung entgegenzuwirken“ , erklärte Rose.