Kritik am katholischen „Weltkongress der Zigeuner-Seelsorge“ – Fördern von Klischees statt gesellschaftlicher Anerkennung

Scharf kritisierte der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma heute die Organisatoren des „VI Weltkongresses der Zigeuner-Seelsorge“ aufgrund der pauschalen Behandlung der Sinti und Roma als „Nomaden“ durch die Katholische Kirche und der Verwendung der diskriminierenden Fremdbezeichnung „Zigeuner“.

Scharfe Kritik an den Organisatoren des „VI. Weltkongresses der Zigeuner-Seelsorge“ vom 1. bis 4. September 2008 in München übte heute der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose. Statt sich für die Anerkennung gleicher Rechte der Sinti-und Roma-Minderheiten in ihren Heimatländern einzusetzen, behandle die katholische Kirche die Sinti und Roma pauschal als „Nomaden“ und „Menschen unterwegs“. Auch die ungebrochene Verwendung der diskriminierenden Fremdbezeichnung „Zigeuner“ schürt Vorurteile und zeige die paternalistische Haltung der Veranstalter.
 
Im Gegensatz dazu habe Papst Benedikt der XVI. bei seiner Rede in Auschwitz im vergangenen Jahr ausdrücklich die „Sinti und Roma“ mit
ihrer Selbstbezeichnung angesprochen, erklärte Rose. Der Zentralrat nehme an dem Kongress nicht teil. Der historische Begriff „Zigeuner“ sei untrennbar mit rassistischen Zuschreibungen und tief verwurzelten Stereotypen verbunden und verstelle den Blick auf die Minderheit und ihre Lebenswirklichkeit, so Rose weiter. In der heutigen Zeit, in der Roma-Familien ausgrenzt, Opfer rassistischer Hetze und gewaltsamer Vertreibungen werden, sei es unverantwortlich, wenn die Kirche den Sinti und Roma durch die Einordnung als „Nomaden“ ihre Heimatrechte abspreche.
 
„Statt das Stigma des Fremden, unter dem unsere Minderheit bis heute leidet, zu überwinden, hält dieser Kongress an überkommenen Stereotypenfest“, kritisierte Rose.
Wenn die Katholische Kirche Sinti und Roma als Ganzes mit einer Randgruppe gleichsetzt, die karitativ betreut werden müsse, so verstärke sie damit – wenngleich ungewollt – die alten Mechanismen der Ausgrenzung. „Es geht hier nicht um eine Frage vermeintlicher politischer Korrektheit, sondern um einen wesentlichen Aspekt unserer Ident ität und unserer Würde.“

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