Fachgespräch und Konferenz zu „Antiziganismus und Film”

1. Antiziganismus und Film

Auf dieser ersten internationalen Tagung werden sich Filmschaffende, Wissenschaftler und Repräsentanten der Minderheit mit den unterschiedlichen Facetten des Antiziganismus im Film auseinandersetzen.  Im Fokus steht dabei die Ethik des Filmemachens: „Ohne moralische Haltung ist das Filmemachen wertlos“, überschreibt Peter Nestler seinen einleitenden Vortrag.

Das Bild des „Zigeuners“ ist im Medium Film von Beginn an präsent und produziert und reproduziert die Stereotype und Vorurteile, die etwa in der Literatur seit Jahrhunderten wirksam sind.  Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Antiziganismus und Film ist bisher mehr als randständig geblieben. Eine systematische Analyse, die insbesondere die Entwicklungen des europäischen Kinos der letzten zehn Jahre einschließt, liegt in weiter Ferne.

Die internationale Tagung soll dazu beitragen, Grundlagen zu schaffen, auf dessen Basis sich die Antiziganismusforschung sowie die Filmwissenschaften kritisch mit den Themen „Roma” und „Antiziganismus” im Film aus verschiedenen Perspektiven auseinandersetzen können. Es sollen die Mechanismen des Mediums Film aufgezeigt werden, um den überfälligen Perspektivwechsel zu beginnen, durch den sich Sinti und Roma als Subjekte darstellen und wahrgenommen werden können.

 

2. Thema und Hintergrund

Das Thema Antiziganismus und Film ist hochaktuell und eine tiefergehende Auseinandersetzung und Debatte dazu steht bislang aus. In den letzten Monaten gab es größere öffentliche Aufmerksamkeit und kritische Debatten zu gleich drei aktuellen Kinoproduktionen. Zum einen die inhaltliche Ausrichtung des Kinder- und Jugendfilms „Nellys Abenteuer” wie auch seine Produktionsbedingungen, die auf Einladung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma bei einem Fachgespräch am 14. September in Berlin kontrovers diskutiert wurden.  Zum anderen der französische Film „À bras ouverts” („Hereinspaziert”), der bereits Anfang des Jahres in Frankreich eine Debatte über Rassismus im Kino auslöste und nun auch in Deutschland und Österreich stark kritisiert wird. Auch die Besetzung einer männlichen Hauptrolle in der geplanten Verfilmung von Mikey Walsh’s Memoiren „Gypsy Boy” mit Benedict Cumberbatch hat in Großbritannien eine Diskussion über „whitewashing” im Kino angefacht.

Bereits seit Jahren ist das Thema „Roma” und damit in vielfältiger Weise auch das Thema „Antiziganismus” in der Filmbranche präsent. Filme wie „Epizoda u zivotu beraca zeljeza” („Aus dem Leben eines Schrottsammlers”), „Csak a szél” („Just the wind”) oder „Aferim!” erlangten Preise auf den großen Filmfestspielen. Aufwendige Kinoproduktionen wie „Sherlock Holmes: A Game of Shadows” („Sherlock Holmes: Spiel im Schatten”) oder „Chocolat” („Chocolat – Ein kleiner Biss genügt”) bemühen antiziganistische Stereotype und verschiedenste Fernsehproduktionen der letzten Jahre und Jahrzehnte setzen sich gewollt oder ungewollt mit diesem Themenfeld auseinander. Erinnert sei nur an die kontroversen Diskussionen zu den Tatort-Folgen „Armer Nanosh” (1989) und „Brandmal” (2008). Filme, die explizit aus einer Romani-Perspektive produziert und erzählt werden, schaffen es hingegen selten über den Status des ‚Nischenfilms’ hinaus.

 

3. Programm 21.02.2018: Fachgespräch 

Fachgespräch: Die Ethik des Filmemachens: von, mit oder über Sinti und Roma
Datum: 21. Februar 2018, 14 – 17 Uhr
Veranstaltungsort: Bayerische Vertretung in Berlin, Behrenstraße 21/22, 10117 Berlin
Anmeldung: Anmeldung bis 15. Februar, eine namentliche Anmeldung ist zwingend für den Einlass in die Bayerische Vertretung notwendig.

2017 wurden eine Reihe aktueller Filme, die zum Teil aus Steuergeldern über die Filmfördereinrichtungen finanziert und in den öffentlich-rechtlichen Anstalten gesendet wurden, massiv kritisiert aufgrund ihrer antiziganistischen Inhalte.  Die Auftaktveranstaltung in der Bayerischen Landevertretung wird den ethischen Dimensionen im Verhältnis von Filmemachen und Minderheit nachgehen. Das Eingangsstatement gibt Peter Nestler, der schon 1970 in seinem Dokumentarfilm „Zigeuner sein“ den verschwiegenen und verleugneten NS-Völkermord an den Sinti und Roma thematisierte und den Überlebenden eine Stimme gab.

Begrüßung
Dr. Ralf-Dieter Jungk, Bayerische Vertretung in Berlin
Romani Rose, Zentralrat Deutscher Sinti und Roma

Gespräch am runden Tisch 
Moderation: Heleen Gerritsen, GoEast Festival
Eingangsstatements
Peter Nestler: Ohne moralische Haltung ist das Filmemachen wertlos
André Raatzsch: Ethik und Film
Kommentare und Reaktionen von Teilnehmenden
Erstes Resümee: Anforderungen an eine Ethik des Filmemachens
Empfang im Lichthof

 

4. Programm 22.02.2018: Konferenz

Konferenz „Antiziganismus und Film“
Datum:
22. – 23. Februar 2018
Veranstaltungsort: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma – Berliner Büro, Aufbau Haus, Prinzenstr. 84.2., 10969 Berlin, 3. Obergeschoss
Anmeldung: hier geht es zum Anmeldeformular, bitte bis 15. Februar registrieren

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Antiziganismus und Film ist bisher mehr als randständig geblieben. Eine systematische Analyse, die insbesondere die Entwicklungen des europäischen Kinos der letzten zehn Jahre einschließt, liegt in weiter Ferne. Die internationale Tagung soll dazu beitragen, Grundlagen zu schaffen, auf dessen Basis sich die Antiziganismusforschung sowie die Filmwissenschaften kritisch mit den Themen „Roma” und „Antiziganismus” im Film aus verschiedenen Perspektiven auseinandersetzen kann. Zudem soll ein Austausch derjenigen Wissenschaftler_innen, die sich bereits kritisch mit Aspekten des Themenfeldes befassen, gefördert werden.

09:00 Uhr Begrüßung und Einführung in die Tagung
Romani Rose, Zentralrat Deutscher Sinti und Roma
Markus End, Gesellschaft für Antiziganismusforschung 

09.20 Uhr Panel 1: Analyseansätze für Antiziganismus in Filmen 
André Raatzsch, Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma: Film und Ethik: Fragen und Thesen für eine emanzipatorische Wende
Radmila Mladenova, Universität Heidelberg: Über ‚Zigeuner‘-Filme und ihre Technologie der Wahrheitsproduktion

10.30 Uhr Panel 2: Narrative Muster im Film und ihre Ursprünge 
Moderation: Jaqueline Roussety
Prof. Dr. Kirsten von Hagen, Universität Gießen: Das Bild vom ‚Zigeuner‘: Inszenierte Alterität im Film
Dr. Hilde Hoffmann, Ruhr-Universität Bochum: Kontinuitäten filmischer Repräsentation europäischer Roma

12:30 Uhr Mittagspause

14:00 Uhr Panel 3: Spielfilm und Geschichte 
Moderation: Daniela Gress, Universität Heidelberg (tbc)
Dr. Frank Reuter, Universität Heidelberg: Konstruktionen der ‚Zigeunerin‘ im NS-Film: vergleichende Analyse 
Martin Holler, HU Berlin: Darstellung des Völkermordes an den Roma im sowjetischen und russischen Film
Prof. Iulia-Karin Patrut, Universität Flensburg: Von Kusturica zu Radu Jude: Aferim! als innovative filmische Darstellung

16:00 Uhr Pause

16:30 Uhr OPPOSE OTHERING! Workshop mit Filmschaffenden 
Rebecca Podlech, Leiterin von OPPOSE OTHERING!, goEast Festival: Impulsvortrag 
U.a. mit Eszter Hajdú, Sándor Mester (film Judgement in Hungary)

18.30 Uhr Ende / Abendessen

 

5. Programm: 23.02.2018: Konferenz

Konferenz „Antiziganismus und Film“
Datum:
22. – 23. Februar 2018
Veranstaltungsort: Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma – Berliner Büro, Aufbau Haus, Prinzenstr. 84.2., 10969 Berlin, 3. Obergeschoss
Anmeldunghier geht es zum Anmeldeformular, bitte bis 15. Februar registrieren

09:00 Uhr Panel 4: Representations of Roma in feature and documentary films
Chair: Anna Mirga, European Roma Institute for Arts and Culture (tbc)
Dr. William Hope, University of Salford, Manchester: The Roma in Italian documentary films
Dr. Sunnie Rucker-Chang, University of Cincinnati: Roma and African-American Filmic Representation: A Diachronic Comparison
Prof. Matthias Bauer, Universtität Flensburg: Filmische Darstellung der Lebenswelten von Sinti und Roma bei Peter Nestler 
Mária Bogdán, Central European University: A critical approach to positive identity construction in film (tbc)

11:00 Uhr Pause

11:15 Uhr Panel 5: Good intentions aren’t good enough: truth claims in fiction films, impact and reception
Chair: Dr. Ismael Cortez, Universitat Jaume I, Madrid 
Dr. Andrea Pócsik, Pázmány Péter Catholic University, Budapest: The (An)Archaeology of Roma Image Making: Berlin, 1932
Pavel Brunßen, Technische Universität Berlin: What remains from the debate on Nellys Abenteuer (Nelly’s Adventure)? Theses, Reflections, and Outlook
Laura Jacobs, University of Amsterdam: Media reception and impact on society attitudes 
William Bila: The film “A bras ouvert” (With Open Arms): Antigypsyism in French cinema and its reception in public discourses (tbc)

13.00 Uhr      Mittagspause

14:00 Uhr Panel 6: Gemeinsamkeiten und Unterschiede 
Moderation: Dr. Yasemin Shooman, Akademie des Jüdischen Museums Berlin
Dr. Lea Wohl von Haselberg, Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf: Zwischen Stereotyp und Antisemitismus. Jüdische Figuren im bundesrepublikanischen Film und Fernsehen
Karina Griffith, PhD Candidate, University of Toronto: Was bedeutet produzieren für uns
Prof. Sarah Heinz, Universität Wien: The Relative Skin: Whiteness in Contemporary Irish Film (tbc)

15.30 Uhr    Tagungskommentar: Reflektion und Erkenntnisse 
Dr. Antonia Schmid, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
Prof. Rainer Schulze, University of Essex (tbc)

 

6. Anmeldung

Wir bitten um eine verbindliche Anmeldung bis zum 15. Februar. Eine Konferenzgebühr wird nicht erhoben, jedoch können auch keine Fahrt- oder Unterkunftskosten erstattet werden. 

Ein Online-Anmeldeformular finden Sie hier>>
Fragen bitte an: zentralrat@sintiundroma.de

 

7. Veranstalter und Förderer

Eine gemeinsame Veranstaltung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, der Gesellschaft für Antiziganismusforschung und des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Kooperation mit der Forschungsstelle Antiziganismus an der Universität Heidelberg und dem goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films. Gefördert wird die Veranstaltung von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms „Demokratie Leben!“, der Landeszentrale für politische Bildung Berlin, der Freudenberg Stiftung und der Antonio Amadeo Stiftung.

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